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Ich bin eine seltsame Schleife

EUR 26,00


Seltsam defizitäre Verständnisschleife - Als jemand, der sich schon länger mit der Bewußtseinsproblematik beschäftigt, waren mir die Fragestellungen vertraut, die mathematischen Herleitungen via Gödel weit weniger. Sie sind denn auch etwas zu mächtig geraten, und man erwischt sich ständig beim Versuch des Überblätterns, was man aber lassen sollte, weil die Erklärungen auch für Nichtmathematiker durchaus nachvollziehbar sind, so man sich ab und an zuruft Quäl dich, du Sau! (Zitat Hofstadter). So weit, so gut, aber leider vermißt man doch einige neurophysiologische Tatsachen, die der Autor entweder nicht kannte (???) oder für nicht wesentlich hielt. Aber ein wenig Neuro-Substrat sollte halt doch sein, trotz aller nicht materieller Selbstreferenz-Komplexe, oder auch eben deswegen. Vor allem die Entdeckung der Spiegelneuronen fehlt z.B komplett, und die sind ja nun wirklich bewußtseinsrelevant. Auch die klassischen Spiegelversuche fehlen, desgleichen das Damasio-Konzept der emotionalen Marker nebst einigem anderen. Definitorisch ist mir aufgefallen, daß keine saubere Trennungen zwischen Ich, Selbst, Bewußtsein usw. vorgenommen wird, schließlich sind das zentrale Konzepte der Bewußtseinsforschung und Kognitionspsychologie, und die sollten genau sein, vor allem bei einem Physiker.Dennoch: Lesen!

Denkanstoss - Ich bin eine seltsame Schleife ist Hofstadter in Reinnatur. Er präsentiert Ideen und Analogien, die sich alle zu einem Großen verbinden. Auf vieles muss man sich erst einlassen können, denn die gesamte Theorie ist so vielschichtig, dass Hofstadter erst einmal drei Kapitel lang ein bestimmtes Thema einführt, bevor er dann den Bogen zu seiner Theorie schlägt. Alles wird sehr detailliert besprochen - manchmal schon zu detailliert. Auf die eine oder andere Ausführung, das eine oder andere Beispiel hätte man schon verzichten können. Bei vielem wird erst später klar, warum es so ausführlich besprochen wurde. Dies ist garantiert ein Buch, das man mindestens zweimal lesen sollte, denn erst beim zweiten Mal fallen die vielen kleinen Dinge auf, die vorher kaum in den Zusammenhang passten und sich jetzt doch wunderbar einfügen.Es besteht schon ein gewisser Anspruch an den Leser - aber kein übertriebener. Man muss weder Philosophie noch sonst etwas studiert haben, um dieses Buch lesen zu können. Zugegeben, es hilft, wenn man die eine oder andere Idee schon mal gehört hat, doch im Großen und Ganzen ist das Buch in sich selbst abgeschlossen: Alles, was man wissen muss, wird irgendwo erklärt. Man sollte sich dennoch Zeit nehmen - es ist weder ein Buch für den Nachttisch noch für die zehn Minuten im Bus. Denn dieses Buch ist ein Denkanstoss, um sich über diese Ideen Gedanken zu machen, vielleicht zu eigenen Varianten zu kommen und so weiter. Einfach gelungen!

Viele Wiederholungen im Feedback - Als jemand, der Gödel, Escher und Bach, Metamagicum und Einsichten ins Ich seinerzeit verschlungen hat, bin ich von diesem Buch eher mittelmäßig begeistert. Vieles davon erscheint mir als eine starke Vereinfachung der Dinge, die er in den 80er Jahren geschrieben hat - nicht umsonst bezeichnet er selbst es als Gödel, Escher, Bach für alle - und hat deswegen ein wenig enttäuscht. Wer aber in diesem Buch Hofstadter das erste Mal begegnet, der sollte eigentlich seine Freude daran haben. Vom Grundlegendsten ausgehend entwickelt er seine Idee zu der Frage, was Identität eigentlich ausmacht und wie man dieser aus verschiedenen Richtungen auf die Spur kommen kann. Er berücksichtigt dabei sowohl neuere technologische Entwicklungen, wie auch den Wandel philosophischer Denkweisen und Ansprüche. Gleichzeitig ist es mit seinen vielen biographischen Bezügen sicherlich auch das persönlichste Werk des Autoren, der den Leserinnen und Lesern in seinen Ausführungen sehr nahe kommt, was ein konsequentes Ergebnis zu seiner Idee der menschlichen Seele ist, die er mit den seltsamen Schleifen entwickelt und auch der ziemlich attraktiven Idee zur Interkonnektivität verschiedener Seele. Dies alles wird im Original noch durch den Satz und die Sprache stark unterstützt, so dass das Buch auf mehreren Ebenen Schleifen erzeugt, die sich nicht vollständig in der Übersetzung wiedergeben lassen, aber Frau Held leistet hier wahrlich heldenhafte Arbeit und gibt einem so auch in der Übersetzung eine gute Idee der Wirkung dieser Vorgehensweise.Wenn man das Buch entlang des Kerntextes liest, dann kommt man eigentlich ganz gut zurecht. Wer tiefer in die Materie und in das Denken Hofstadters eintauchen möchte kann dies zum Teil schon mit Hilfe der Endnoten tun, die ihn auf jeden Fall neugierig auf seine anderen Werke machen werden.

Erinnerungen an ein Scheitern und Neuaufbruch - Als in Amerika vor bald dreissig Jahre ein 846 Seiten dicker Wälzer mit dem Titel Gödel, Escher, Bach auf den Markt kam, kannte in Europa kaum jemand der Namen seines Verfassers. Sechs Jahre später war alles anders. Denn wer die deutsche Übersetzung nicht kaufte und Douglas R. Hofstadter nicht kannte, galt fortan als intellektueller Tiefflieger. Zu denen zu gehören, hatte ich so wenig Lust wie die meisten Studis der Achtzigerjahre. Und nachdem ich feststellen musste, dass ich Hofstadters Ausführungen nur sehr partiell zu folgen vermochte, legte ich das Buch unauffällig sichtbar auf, bastelte mir einige klugen Bemerkungen zum Inhalt zusammen und hoffte, dass andere auch nicht mehr begriffen als ich. Nun schreiben wir das Jahr 2008, und ich wagte mich erneut an einen Hofstadter. Doch diesmal war ich besser gerüstet. Denn vor zwanzig Jahren wurde auch ich von der Neugier gepackt, den Vorgängen in meinem Kopf auf die Spur zu kommen. Das Leseinteresse war also ein ganze anderes. Was sich jedoch seit damals kaum verändert hat, ist mein Verständnis mathematischer Zusammenhänge, die über knapp genügendes Abiturwissen hinausgehen. Motiviert vom Umstand, dass sich Hofstadter diesmal auf 460 Seiten Text beschränkte, machte ich mich an die Lektüre. Und diesmal reussierte ich. Auch wenn ich mich bei den Ausflügen ins Reich von Herrn Gödel noch immer sehr unwohl fühlte und den mathematischen Beweisführen nicht zu folgen vermochte, bereute ich den Leseaufwand nicht. Denn mir wurde erstmals klar, was er mir schon vor dreissig Jahren sagen wollte. Die Frage nach dem Bewusstsein lässt sich nicht befriedigend beantworten, wenn man von unten nach oben denkt, von den chemisch-physikalischen Prozessen ausgeht und nach Kausalitäten sucht. Die höhere Ebene kann die Prozesse auf der unteren Ebene getrost ignorieren und trotzdem bestens funktionieren. Das vermag zwar Hofstatdter ebenso wenig zu beweisen wie sein Intimfeind Joan Searle seine philosophischen Thesen, aber unser Gehirn ist eben nicht dazu ausgestattet, alles beweisen zu können. Das belegt Hofstadter dann ausführlich anhand Gödelscher Theoreme, die ich nicht verstand. Mir hat die Lektüre Spass gemacht, obwohl sie mich viel Zeit und Denkarbeit kostete. Ob das neue Leseerlebnis daran liegt, dass ich selber an einem anderen Punkt als zu Zeiten von Gödel, Escher, Bach bin oder am reiferen Stil des Autors, kann ich nicht beurteilen. Wahrscheinlich beides. Douglas Hofstadter verzichtet heute nicht nur auf das R. seines zweiten Vornamens, sondern auch auf allzu wilde Querverweise und Exkurse. Seine Analogien und Geschichten scheinen mir klarer und noch mehr aus dem Leben gegriffen. Notwendig für das Verständnis des Wesentlichen sind sie nicht alle. Sich noch etwas kürzer zu fassen und auf Wiederholungen zu verzichten, wäre möglich, ohne dass der Gehalt verloren ginge. Aber lassen wir dem Autor seine Eigenarten, solange er so viele Leser mit seinen Büchern erreichen kann. Denn er hat etwas zu sagen.Mein Fazit: Was Douglas Hofstadter uns in diesem Buch präsentiert, hat er schon vor Jahren entwickelt und beschrieben. Aber hatte sein Kultbuch Gödel, Escher, Bach noch kaum jemand wirklich verstanden, veranschaulicht Hofstadter seine Thesen nun so gekonnt, dass es auch enttäuschte Leser von damals nochmals versuchen sollten. Ich Tarzan - du Jane. Weshalb das so ist, steht in diesem Buch.

Auch Menschen sind nur Tiere - Hofstadters Ich bin eine seltsame Schleife ist bester Hofstadter. Mit gewohnter Leichtigkeit zelebriert Hofstadter erneut die informatischen Grundlagen des menschlichen Bewusstseins. Es ist sicher kein Zufall, dass Hofstadters neues Buch zusammen mit Dawkins Gotteswahn erscheint. Neu bei Hofstadter ist die ethische Seite seines Buches und das warmherzige Mitempfinden insbesondere für andere Säugetiere. Es fällt auf, und das ist sicher nicht Hofstadter anzulasten, dass diese tierische Ethik zeitlich mit Sozialabbau und Hartz IV zusammenfallen. Elitäre Angehörige der oberen sozialen Schichten haben also Probleme mit dem Essen von Fleisch aber keine Probleme mit Sozialabbau und Proletarisierung ihrer Mitmenschen




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